Im Interview sprechen Klaus Saloch, ehemaliges Mitglied der Geschäftsleitung bei Immonet und nun Berater verschiedener Unternehmen und Verbände, sowie Nicolas Jacobi, Gründer und Geschäftsführer von Immomio, zwei ausgewiesene Digitalisierungsexperten über die Bedeutung von Immobilienportalen. Zudem beziehen sie Stellung dazu, welche Möglichkeiten sie der Prozessoptimierung durch digitale Produkte zuschreiben, welche Entwicklungen sie in naher Zukunft erwarten, sowie welche Auswirkungen diese auf den Geschäftserfolg von Maklern haben werden.

Herr Saloch, welche Relevanz haben Immobilienportale für das Vermietungsgeschäft heute?

Klaus Saloch: Grundsätzlich haben sie eine wichtige Bedeutung, da sie der Marktplatz sind, an dem Anbieter und Nachfrager zusammenkommen. Wie auf jedem Marktplatz, müssen sich dessen Betreiber auf ändernde Rahmenbedingungen und Gesetzgebungen einstellen, exemplarisch sei hier das Bestellerprinzip genannt. Wenn sich die Portale aber an Marktgegebenheiten und Anforderungen ihrer Kunden anpassen, dann werden sie auch zukünftig ihre heutige Relevanz behalten.

Nicolas Jacobi: Das sehe ich auch so. Immobilienportale sind für das Vermittlungsgeschäft unerlässlich. Man kann beziehungsweise muss sagen, dass sie den Vermietungsprozess nachhaltig revolutioniert haben – zum Beispiel durch die sehr große Reichweite, die sie ermöglichen.

Ist die angesprochene Reichweite das Alleinstellungsmerkmal der Portale und sind Makler aus Ihrer Sicht von den großen Portalen wie Immobilienscout abhängig?

Jacobi: Nein, Reichweite ist definitiv wichtig, aber sie ist nicht mehr das einzige Kriterium. Auch die Qualität der Anfragen und eine schnelle, effiziente Kommunikation spielen eine wichtige Rolle. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Kanäle, die Reichweite erzeugen können. Ich rede zum Beispiel von sozialen Netzwerken, wie Facebook oder Instagram, aber auch von der Bedeutung der eigenen Webseite. Dieses Potenzial wird aus meiner Sicht noch zu wenig ausgeschöpft.

Auch das verbandseigene Portal IVD24 hat in kürzester Zeit ein beachtliches Objektangebot geschaffen, die Nachfrage wird auch hier noch deutlich steigen.

Saloch: Heute ist es wichtiger, die richtige Zielgruppe zu definieren und diese auch über die passenden Marketingkanäle gezielt zu bedienen. Makler sind aus meiner Sicht nicht abhängig von den großen Portalen, obwohl viele das denken.

Das Problem liegt vielmehr darin, dass das Potenzial der alternativen Vermarktungskanäle, die auch im Zuge der Digitalisierung entstanden sind, noch zu wenig ausgeschöpft wird.

Stichwort Digitalisierung: Wie wichtig werden in Zukunft digitale Hilfsmittel bei der Mietersuche sein? Können innovative Lösungen den Arbeitsalltag von Maklern erleichtern?

Jacobi: Meines Erachtens werden sie zukünftig essenziell sein, um den steigenden Anforderungen der Immobilienwirtschaft gerecht zu werden. Mit ihrer Hilfe lässt sich der gesamte Vermietungsprozess deutlich verschlanken: Sei es die Kommunikation mit Interessenten, die Qualifizierung der zahlreichen Anfragen oder die Koordination von Besichtigungen auf einer eigenen Plattform.

Saloch: Die intelligenten Lösungen werden die Prozesse zukünftig noch weiter verfeinern und somit auch effizienter machen. Zentrale Bedeutung hat es, die digitalen Strukturen sukzessive in den Markt zu implementieren. Anwender müssen bereit sein, den Sprung von der klassischen manuellen Verwaltung hin zu vollautomatisierten Prozessen zu wagen. Gleichzeitig müssen diese innovativen Produkte dann auch richtig kommuniziert beziehungsweise vermarktet werden.

Vielfach werden digitale Lösungen als direkte Konkurrenz zu konventionellen Immobilienmaklern gesehen. Sind Sie der Ansicht, dass die Digitalisierung zukünftig über den Geschäftserfolg von Maklern entscheidet, beziehungsweise Makler sogar ersetzen könnte?

Saloch: Die Digitalisierung ist aus meiner Sicht optionslos. In naher Zukunft wird es dazu keine Alternative mehr geben, ähnlich der Entwicklung des Smartphones. Makler dürfen sich gegenüber der Digitalisierung nicht verschließen, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben wollen.

Jacobi: Genau, aber unter dem Strich bleibt festzuhalten, dass Vermietungen auf Vertrauen und zwischenmenschlicher Interaktion basieren. Eigenschaften wie Empathie und Kreativität werden niemals durch technologische Hilfsmittel ersetzt werden. Vielmehr sollten Makler in der zunehmenden Digitalisierung eine Chance sehen, die gerade im Bereich der Prozesseffizienz ein enormes Potenzial bietet.

IMMOMIO GMBH

Nicolas Jacobi, Geschäftsführer

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