Eine echte Stadtmarke – das liebevoll “Bierpinsel” genannte Turmrestaurant in Steglitz ist unser Gebäude mit Geschichte des Monats.

 

Westberliner Vorzeigearchitektur

Das futuristisch anmutende Turmrestaurant Steglitz ist ein 47 Meter hohes Gebäude und wurde von Anfang an als Bestandteil des U-Bahnhofs Schlossstraße geplant.

Es wurde von Ralf und Ursulina Schüler entworfen und von 1972-1976 erbaut  – ihre Assoziation war ein Baum, aber schnell hatte die „Berliner Schnauze“ ihre eigene Assoziation und schnell etablierte sich der Begriff „Bierpinsel“.

Er gehört neben dem ICC (das übrigens auch von den Schlüters entworfen wurde) zur Vorzeigearchitektur des Westberlins der frühen 80er Jahre.

 

Graffitti

2010 wurde dem Gebäude ein neues Äußeres verpasst: in dreimonatiger Arbeit unter Verwendung von insgesamt 2000 Sprühdosen wurden die ursprünglich roten, längst verblassten Eternitplatten des Turmkopfes von internationalen Graffiti-Künstlern bearbeitet. Das Ehepaar Schüler versuchte mit Bezug auf das Urheberrecht das „schreckliche Graffiti-Kleid“ zu verhindern, aber vergebens.

 

Gebäude mit Geschichte: Das Turmrestaurant Steglitz (Bierpinsel)

Der Bierpinsel im “Graffiti-Kleid”

 

Nutzung

Für den Bierpinsel war schon immer eine gastronomische Nutzung vorhergesehen, jedoch war nicht allen Gastronomen das Glück hold. Es fanden viele Besitzerwechsel statt, eine rechte Kontinuität wollte sich nicht einstellen. Im Winter 2010/2011 gab es einen durch Frost verursachten Rohrbruch – Versicherung und die Besitzerin stritten um die Kosten der Sanierung und das Gebäude steht seither ungenutzt leer. 2016 “verliebte” sich ein niederländischer Investor in den Turm. Noch vor Jahresende 2016 lagen alle Unterlagen vor, inklusive eines kompletten Umbau- und Sanierungskonzeptes. Doch dann stieß man auf den krebserregenden Baustoff Asbest – Investitionskosten inklusive Asbestsanierung lagen plötzlich bei knapp 5 Millionen Euro. Seit Januar 2017 steht das Gebäude nun erst einmal unter Denkmalschutz – auch das hat Auswirkungen auf jedwede Umbaupläne.

 

Ungewisse Zukunft

Im August 2017 erfolgte der Paukenschlag: das mittlerweile über 40 Jahre alte eigenwillige Gebäude steht bei Sotheby’s zum Verkauf und taucht im internationalen Onlinekatalog der Immobiliensparte des Auktionshauses neben Penthäusern und Villen auf. Es passierte weiterhin: nichts, ein Verkauf scheiterte. Im Januar 2018 ist die Zukunft des Bierpinsels dann Thema beim runden Tisch Steglitz – das Interesse war rege, über 50 Bürger kamen, um sich informieren zu lassen, wie es weitergehen könnte. Mit rein gastronomischer Nutzung wie zu West-Berliner Zeiten ist der Turm nicht mehr gewinnbringend zu bewirtschaften, u.a. wegen geänderter Branschutzvorschriften. Axel Behring, Geschäftsführer der Schlossturm GmbH, denkt daher an Coworking-Spaces geben, Kapselhotel, Skybar – aber auch 2019 wird der markante Turm erst einmal leer stehen.

Das einzige, was sicher ist: mit der Architektur des Gebäudes eine „Stadtmarke“ zu setzen, die sich auch auf Postkarten gut macht, ist dem Ehepaar Schüler gelungen.

 

Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Bierpinsel
http://www.moderne-regional.de/interview-ursulina-schueler-witte-zum-bierpinsel
https://www.berliner-woche.de/steglitz/c-bauen/kuehne-plaene-fuer-den-bierpinsel_a141958


Bildquellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:2007-03-06_Bierpinsel_Detail.jpg

https://de.wikipedia.org/wiki/Bierpinsel#/media/File:Berlin_-_Bierpinsel.jpg