Das Portal Homeday hat kürzlich ein Tool veröffentlicht, das immobilieninteressierten Menschen eine neue Transparenz bei der Preisfindung eröffnen und die Marktpreisermittlung genauer machen soll. Laut Homeday werden die Preisschätzungen mit einem Algorithmus berechnet, der über 150 Merkmale berücksichtige. Diese „Machine Learning Technology“ berücksichtige z.B. neben Quadratmeterzahl und Anzahl der Zimmer auch Faktoren wie den Abstand zum öffentlichen Nahverkehr, Parks oder Schulen.

Klingt zu schön, um wahr zu sein? Der IVD Berlin hat die vereidigte Sachverständige und geprüfte Immobilienfachwirtin Petra Schmökel gefragt, was sie von dem Tool hält.

 

Frau Schmökel, was denken Sie – wird hier auch nur mit Wasser gekocht?

Ja. Schaut man sich die Preiskarten an, wird schnell klar, dass das Angebot von Homeday so spektakulär nun auch nicht ist: Man findet hier eine adressbezogene Darstellung und Auswertung von Kaufangeboten ab 2012, wie ihn viele Immobilienportale anbieten. Der Unterschied liegt hier lediglich im selbstentwickelten Algorithmus, ob die als Datenbasis dienenden Immobilienangebote jedoch zu Verkäufen und somit echten Verkaufspreisen geführt haben, bleibt unklar.

 

Worin besteht denn dann das eigentliche Geschäftsmodell?

Wenn Sie die Schaltfläche „Genaue Bewertung erhalten“ anklicken und ein paar objektbezogene Fragen beantworten, bekommen Sie die sogenannte „hochwertige Analyse als PDF“. Tatsächlich handelt es sich jedoch lediglich um eine unverbindliche, erste Ferneinschätzung. Der exakte Immobilienwert lässt sich aber dann doch nur durch eine Person mit entsprechender Expertise direkt vor Ort ermitteln, da die Ermittlung eines Preises eben sehr multifaktoriell ist. Dies wird auch im Anschreiben der Analyse angemerkt und jetzt wird auch klar, wohin der Hase läuft: diese Personen mit entsprechender Expertise stellt Homeday den Kundinnen und Kunden „gerne“ bei Interesse zur Seite.

 

Was heißt das im Klartext?

Das bedeutet, dass hier eine Benennung von Maklerinnen und Maklern für den Objektverkauf stattfindet, die für die Vermittlung eine Provision zahlen und dann auch noch das entsprechende Haftungsrisiko für die objektbezogene Markteinschätzung tragen müssen.

Ich finde es an dieser Stelle äußerst beruhigend, dass bereits seit 1960 Gutachterausschüsse existieren, die die die tatsächlich erfolgten Immobilienverkäufe auswerten und qualifizierten Sachverständigen für die Immobilienbewertung Auskünfte aus der Kaufpreissammlung erteilen. So kann mit relativ geringem Aufwand u.a. eine individuelle Analyse von echten Kaufpreisen erstellt werden. Eine kostenfreie Information über Kaufpreise und Mittelwerte für verschiedene Teilmärkte (z.B. Wohnungseigentum) bietet der Gutachterausschuss (siehe untenstehenden Link) für Grundstückswerte in Berlin mit seiner “Immobilienpreis-Info”.

 

Frau Schmökel, wir bedanken uns für das Gespräch und die wertvollen Einblicke!

Immobilienfachwirtin Petra Schmökel

Immobilienfachwirtin Petra Schmökel

 

Bildquellen:

https://www.homeday.de/preisatlas/de-DE
https://www.immobilienmarktwerte.de

 

Quellen:

https://www.cash-online.de/immobilien/2018/preisatlas-homeday-wert-immobilie/411396
https://www.homeday.de/preisatlas/de-DE
https://www.immobilienmarktwerte.de
http://www.berlin.de/gutachterausschuss