Das Jahresende lädt zu Rückblick und Verweilen ein. Viel ist passiert in diesem Jahr, was noch große Auswirkungen auf die kommenden Jahre haben wird. Lesen Sie hier die Gedanken des Vorstands zum Jahresende.

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

eigentlich hat das Jahr, auf das wir zurückblicken, für uns doch ganz gut begonnen, oder? Nach langer Hängepartie bekamen wir wieder eine Bundesregierung und die Kanzlerin ihre vierte Amtszeit. Dass die Sozialdemokraten in der letzten Legislatur die Wohnungspolitik als populistisches Spielfeld entdeckt haben, ließ eine Neuauflage der großen Koalition nicht unbedingt als Hoffnungsschimmer erscheinen, aber der Koalitionsvertrag vereinbarte ja schließlich auch durchaus positive Umsetzungen.

So hat diese Bundesregierung scheinbar auch endlich erkannt, dass die Versorgung der Bevölkerung mit für alle Portemonnaies erschwinglichen Wohnraum, zur Miete aber idealerweise auch als Wohneigentum und damit als wichtigste Säule der Altersvorsorge, in Metropolregionen mit starkem Bevölkerungszuwachs problematisch ist.

 

Wohnen gestalten

Politiker stufen das Thema „Wohnen“ mittlerweile als „große oder gar größte Herausforderung und soziale Frage unserer Zeit“ ein, wobei politisch betrachtet Dinge „ihre Zeit“ bekommen, wenn man damit Wählerstimmen gewinnen kann. Über Jahre war hier, auch als es schon lange Zeit dafür war, kein politischer Wille erkennbar gestalten zu wollen.

Unter Gestaltung verstehen wir z.B., die politischen Rahmenbedingungen für mehr Neubau zu schaffen und den Wohneigentumserwerb zu fördern. Letzteres hat schon fast eine sozialpolitische Dimension, wenn wir uns vor Augen führen, wie alternativlos die Immobilie als zukunfts- und alterssichernde Investition geworden ist. Worauf sollen wir warten? Eine umfassende Rentenreform? Eher unwahrscheinlich, auch das dürfen wir erst erwarten, wenn der Zug mit hoher Geschwindigkeit kurz vor der Wand steht, gegen die er fährt. Erkennen tut diese Wand jeder, der etwas von Demographie versteht. Aber warum sollte man ohne Not Wählerstimmen riskieren, die sich so gut mit wirkungslosen Mietpreisbremsen gewinnen lassen.

 

Wohngipfel und Mietpreisbremse

Der erste Wohngipfel der Bundesregierung als Zeichen der neuen Fokussierung der politisch Verantwortlichen für die Wohnraumknappheit in Ballungsregionen und die damit einhergehenden Preissteigerungen brachte neben durchaus sinnvollen Ansätzen in der Neubauförderung nunmehr auch wieder das wohnungspolitische Unwort dieses Jahrzehntes auf die Tagesordnung. Bündnis 90/Die Grünen haben in den Deutschen Bundestag einen Antrag für das sogenannte Bestellerprinzip beim Kauf von Immobilien kombiniert mit einer Provisionsdeckelung eingebracht. Die Justizministerin nahm das Thema dankbar in ihren 12-Punkte-Plan „Mietenwende jetzt“ mit auf.

Wir beim IVD sind überzeugt: Das Bestellerprinzip lässt Käufer schlussendlich im Regen stehen und wird zu einer weiteren Verteuerung von Immobilien beitragen. Einziger Nutznießer würde der Fiskus sein. Eine geplante Verlagerung des Maklerhonorars alleine auf Verkäuferseite würde nämlich zur Einpreisung der Provision und damit höherer Grunderwerbsteuerbelastung führen.  Das schlimmste ist: Natürlich entsteht durch diesen Populismus nicht eine einzige neue Wohnung. Im Gegenteil, Immobilientransaktionen dürften zurückgehen und der Markt intransparenter werden, ähnlich wie es nach Einführung des sogenannten Bestellerprinzips bei der Vermietung war. Und Immobilienkäufer würden ohne Beratung und Unterstützung auf sich allein gestellt sein, da der Makler gesetzlich zum einseitigen Interessenvertreter des Verkäufers gemacht werden würde.

 

Leitbild und Leidenschaft

Immobilienprofis nach unserem Leitbild sind Intermediäre. Das wurde von hunderten Kolleginnen und Kollegen aus der ganzen Republik auch auf unserer außerordentlichen Mitgliederversammlung im November in Kassel noch mal unterstrichen. Sie arbeiten für Verkäufer und Käufer, für Vermieter und Mieter, gleichen aus und nehmen Sorgen ab rund um ein komplexes Produkt. Das werden wir weiter praktizieren im Sinne unserer vielen Kunden.

2019 wird vor dem Hintergrund des politischen Drucks sehr intensive Auseinandersetzungen bringen. Wir werden kämpfen für unsere Berufs- und Vertragsfreiheit und damit auch für unsere Kunden. Diese können auf uns zählen und darauf, dass wir für ihre Probleme, ihre Fragen und Wünsche rund um die Immobilie bessere Antworten und Lösungen finden als unsere gewählten Volksvertreter. Immobilien sind unsere Leidenschaft und Profession. Das ist immer so gewesen, auch als es noch mehr Wohnraum als Mieter oder mehr Eigentumswohnungen und Häuser als potentielle Käufer in unserer Region gab. Diese Zeiten haben wir nicht vergessen und werden auch dann noch die Probleme unserer Kunden lösen, wenn sich Märkte wieder drehen.

 

Ausblick

Trotz aller Herausforderungen sind wir froh, als Ihr Berufsverband in einer derart prosperierenden Region arbeiten zu dürfen. Berlin wächst und entwickelt sich zu einer Metropole von Weltrang und das trotz und nicht wegen unserer Landesregierung. Lassen Sie uns dafür sorgen, dass das so bleibt.

Wir wünschen Ihnen einen schönen Jahresausklang, frohe Festtage, Gottes Segen, Gesundheit und einen motivierten Start ins neue Jahr.

 

Herzlichst,

Ihr IVD Berlin-Brandenburg e.V.
Ihr Vorstand und hauptamtliches Team

 

Bildquelle: IVD BB