400 Immobilienprofis aus ganz Deutschland waren sich einig. Ein sogenanntes Bestellerprinzip bei Kaufimmobilien, welches den Makler zum einseitigen Interessenvertreter des Verkäufers machen würde, dient niemandem, vor allem den Käufern von Immobilien nicht.

 

IVD-Mitglieder sind sich einig

Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des führenden Berufsverbandes IVD in Kassel sprachen sich die Mitglieder geschlossen gegen diese völlig ungerechtfertigte Einschränkung in die Vertrags- und Berufsfreiheit aus. Dieses Meinungsbild spiegelt auch die Ergebnisse einer Mitgliederbefragung wider, an der fast 2.000 Immobilienunternehmen teilnahmen. Gleichzeitig verabschiedete die Mitgliederversammlung eine Erklärung, wonach der Makler fairer Mittler zwischen Käufer und Verkäufer ist. Vorausgegangen war eine intensive Diskussion, angeregt durch den Antrag eines IVD Regionalverbandes, der ein Leitbild zur Teilung der Provision zwischen Verkäufer und Käufer vorsah.

 

Kein Bedarf für eine bundeseinheitliche Regulierung

„Für eine bundeseinheitliche Regulierung gibt es keinen Bedarf. In 75 Prozent der Märkte in Deutschland wird die Provision zwischen Verkäufer und Käufer vorrangig geteilt. In einigen Metropolregionen ist die Außenprovision ortsüblich. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das grundsätzliche berufliche Selbstverständnis der Kolleginnen und Kollegen der Intermediär zwischen den Vertragsparteien ist, unerheblich davon, wie sich ortsübliche Provisionssysteme herausgebildet haben. Diese folgen in der Hauptsache auch Marktentwicklungen. Es ist nicht lange her, dass in Berlin statistisch auf einen Immobiliensuchenden mehrere leerstehende Wohnungen kamen. Käufer wurden umworben und häufig zahlten die Verkäufer den Makler. Das will heute keiner mehr hören und kein Gesetzgeber kam auf die Idee, mit populistischen Gesetzen Verkäufer zu unterstützen“, so Dirk Wohltorf, Ehrenvorsitzender des IVD Berlin-Brandenburg. „Ich möchte als Immobilienmakler selbst entscheiden können, mit wem ich einen Vertrag schließe und wie ich mich entlohnen lasse“, führt Wohltorf aus.

 

„Die Immobilienpreise steigen nicht in allen Gebieten, in großen Teilen Brandenburgs fallen sie teilweise sogar. Die Preisdynamik in Berlin kann nicht als Maßstab für ganz Deutschland gesehen werden und sollte nicht zu unangemessenem Aktionismus der Politik führen, zumal die Zielstellung der Politik, den Käufer mit dem Bestellerprinzip zu entlasten, nicht erreicht wird“ — IVD-Präsident Jürgen Michael Schick

 

In der Tat, der Verkäufer würde etwaige Mehrbelastungen auf den Kaufpreis aufschlagen und die Käufer müssten auf den erhöhten Kaufpreis noch die Grunderwerbsteuer zahlen. Davon sind die meisten Immobilienexperten überzeugt. Würde der Gesetzgeber die Immobilienmakler zwingen, nur noch einseitig für die Verkäuferseite zu arbeiten, verlören die Käufer die dringend benötigte Beratung beim Immobilienkauf. Das kann nicht im Sinne des Verbraucherschutzes sein.

 

“Erklärung von Kassel”

In der „Erklärung von Kassel“ fixieren die Immobilienprofis ihr Selbstverständnis. Diesem folgend arbeitet der Makler für Käufer und Verkäufer gleichermaßen und weist seine Vertragspartner entsprechend darauf hin. Damit ist ein gesetzgeberischer Eingriff einmal mehr überflüssig. Die Makler streben an, bis zur Beurkundung eine Vereinbarung in Textform mit Käufer und Verkäufer zu schließen. Beide Vertragspartner sollten in der Regel in gleicher Höhe eine Provision leisten. Zur Schaffung von Transparenz sollen im notariellen Kaufvertrag das Gesamterfolgshonorar und die jeweilige Aufteilung als Honoraranspruch des Maklers wiedergegeben werden.

Nils Werner, Geschäftsführer des IVD Berlin-Brandenburg war auch in Kassel dabei: „Das war die mit Abstand beste und konstruktivste Diskussionsveranstaltung, die ich im IVD erlebt habe. Das Ergebnis gibt der Verbandsführung die Möglichkeit, mit klarer Ausrichtung in die vermutlich unvermeidliche politische Auseinandersetzung zu gehen. Damit grenzt sich der führende Berufsverband der Immobilienprofis auch sehr deutlich von kleineren Maklerverbänden ab, die sich ohne jegliche Basisabstimmung mit Forderungen online präsentieren. Reflektierte Chancen- und Folgenabschätzung findet hier mangels jeglicher Erfahrung in der politischen Interessenvertretung nicht statt. Ich kann nur jedem Immobilienprofi und auch größeren Netzwerken empfehlen, genau jetzt den IVD zu verstärken, um Schulter an Schulter für die Berufsfreiheit zu kämpfen. Die scheinbaren Branchenverbesserer, die sich aus der zweiten Reihe zu Lasten und auf Kosten tausender Kolleginnen und Kollegen selbst inszenieren, werden diesen Kampf nicht führen. Keiner kann momentan absehen, wohin sich ein mögliches Gesetzgebungsverfahren entwickelt. Aber wenn eine Institution die richtigen Mitglieder und Argumente hat, populistischen Politikern den Spiegel vorzuhalten, dann ist es der IVD.“

 

Bildquelle: IVD Mitgliederversammlung