Autor: Philipp Schwarz

Eine Google-Suche zu dem Begriffspaar „Heizkosten senken“ erzeugt 170.000 Ergebnisse. Die meisten davon sind sich inhaltlich ziemlich ähnlich: Wände, Fenster und Rolladenkästen sollten gut gedämmt werden, das Lüften sollte stoßweise erfolgen, eine Absenkung der Raumtemperatur um 1°C spart sechs Prozent der Heizenergiekosten.

 

Theorie und Praxis

Theoretisch sind diese Vorschläge richtig. Aber um in der Praxis damit erfolgreich zu sein, lohnt sich ein Blick auf die Details. Eine wissenschaftliche BRUNATA-METRONA-Studie auf Basis zufällig und anonym gewonnener, einzelner Temperaturmessungen zeigt beispielsweise, dass in den meisten Wohnungen die durchschnittliche Temperatur während der Heizperiode bei lediglich 19°C oder darunter liegt. Eine weitere Absenkung wäre daher in vielen Fällen nicht wirklich praktikabel oder gar kontraproduktiv.

Was die Auswertung auch zeigt, ist, dass die Raumtemperaturen in besser isolierten – also moderneren – Gebäuden systematisch höher liegen als in solchen mit schlechterer Dämmung (siehe Abb. 1). Dafür sind im Wesentlichen zwei Faktoren ausschlaggebend:

Baualtersklassen und ihre Temperaturverteilung

Abb. 1: Temperaturverteilung nach Gebäudeklassen. Je neuer das Gebäude, desto weiter verschiebt sich die Kurve nach rechts. Diese Gebäude sind also wärmer.

 

Der erste Faktor ist technischer Natur und betrifft die Wärmeverteilung. In moderneren Gebäuden fallen die Wärmeflüsse innen zwischen den Räumen stärker ins Gewicht, weil insgesamt weniger Wärme nach außen entweicht. Dadurch gleichen sich die Temperaturen aller Räume und auch der Wände, Decken und des Mobiliars stärker an, und zwar nach oben. Kaum oder gar nicht beheizte Räume nehmen insgesamt ein höheres Temperaturniveau an, weil die Wärmeverluste über die Gebäudehülle reduziert sind. Die Wärmeflüsse aus den beheizten in die unbeheizten Räume dagegen bestehen unverändert weiter oder können durch jetzt offen stehende Türen sogar zunehmen. Innerhalb der Gebäudehülle ist also in der Regel deutlich mehr Energie gespeichert als in einem älteren Gebäude.

Was für die Nutzung an sich angenehm sein mag, hat aber in Bezug auf bewusstes Heizen den Nachteil, dass der Bewohner keine unmittelbare Rückwirkung mehr verspürt, wenn irgendwo Wärme entweicht. Unangenehme „Kälteereignisse“ oder „kalter Durchzug“ kommen wesentlich seltener oder gar nicht mehr vor.

Daher ist gegenüber alten Gebäuden sogar mehr Aufmerksamkeit gefordert, d.h. ein Verhalten, das möglichst die Trägheit der Temperaturveränderungen vorausschauend berücksichtigt. Ähnlich wie beim Autofahren, wo moderates Beschleunigen und Bremsen den Spritverbrauch optimieren, empfiehlt es sich, Heizungen bei kürzeren Abwesenheiten nicht abzustellen, sondern nur leicht zurückzudrehen, um einem deutlichen Auskühlen der Wohnung vorzubeugen. Denn das Wiederaufheizen bringt unter Umständen Energieverluste im Bereich der Heizanlage und der Heizungsverrohrung mit sich, die niemandem unmittelbar zugutekommen.

Faktor zwei ist die Tatsache, dass eine bessere Dämmung nicht nur zu einer Änderung des energetischen Verhaltens der Wohnung führt, sondern in vielen Fällen auch zu einer Verhaltensänderung des Nutzers. Im Bewusstsein der verbesserten Umwelteigenschaften seiner Wohnung, gönnt dieser sich eine höhere Raumtemperatur, weil ja prinzipiell ein niedrigerer Energieverbrauch erwartet wird. Dieses Phänomen ist als „Rebound-Effekt“ bekannt. Um optimale Einsparungen zu erzielen, wäre der Nutzer eigentlich gefragt, mit erhöhter Aufmerksamkeit nicht über die ursprünglichen Raumtemperaturen hinauszugehen.

Saisonaler Heizenergieverbrauch

Abb. 2: Relativer saisonaler Heizenergieverbrauch: ca. 56% der eingesetzten Heizenergie wird in den Monaten Dezember bis Februar verbraucht.

Fazit

Wer seine Heizkosten senken möchte, sollte also die technischen Gegebenheiten seiner Wohnung kennen und sein eigenes Verhalten möglichst konsequent daran anpassen. Das erfordert zwar Disziplin, muss aber nicht zu einem Full-Time-Job ausarten. Ein Blick auf den durchschnittlichen Heizenergieverbrauch im Jahresverlauf zeigt nämlich, dass mehr als die Hälfte der jährlich verbrauchten Heizenergie in den Monaten Dezember bis Februar anfällt und ganze zwei Drittel zwischen Dezember und März (siehe Abb. 2). Eine Fokussierung auf diese 3 bis 4 Monate sichert einem umweltbewussten Wohnungsnutzer also schon den Löwenanteil möglicher Energieeinsparung.

BRUNATA-METRONA ist Partner des IVD Berlin-Brandenburg – Mehr als abrechnen – Nahe beim Kunden: https://berlin.ivd.net/brunata-metrona

 

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Bildquelle: Brunata, Pixabay | ri